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Ein Interview mit Dan Milner

#ospreyeurope

Dan Milner ist professioneller Abenteuerfotograf und Mountainbiker. Mountainbikegeschichten zu fotografieren hat ihn an einige der ungewöhnlichsten Orte der Welt, von Äthiopien bis Afghanistan, gebracht. Wir haben Dan darum gebeten, uns einige Einblicke in seine sagenhafte Karriere zu geben.

Wann hast du deine Liebe fürs Fotografieren und Mountainbiken entdeckt?

Fahrradfahren und Fotografieren habe ich wahrscheinlich etwa gleichzeitig für mich entdeckt, als ich um die acht oder neun Jahre alt war. Damals hatte ich aber noch keine Ahnung, dass ich später beides in einem Job kombinieren würde.

Wenn du so alt und weise bist wie ich, erinnerst du dich an die Kodak Instamatic-126 Kameras, die mit Filmrollen funktionierten. Sie entsprachen voll und ganz dem Stil der 1970er und waren einfach zu handhaben, so dass sie jeder benutzen konnte, ohne die Fotos zu ruinieren. Das schien eine gute Ausgangsbasis für einen Achtjährigen zu sein und sie war meine „erste“ Kamera. Ich schoss Fotos im Familienurlaub, beim Wandern in Anglesey in Wales. Ich liebte es, Sachen zu dokumentieren, vor allem an neuen Orten. Ich begann die Fotografie während eines siebenmonatigen Solo-Trips durch Lateinamerika im Jahr 1989 etwas ernster zu nehmen. Damals reiste ich durch viele Länder, die von Bürgerkriegen und politischen Auseinandersetzungen geprägt waren. In den 90ern schoss ich dann meine ersten Mountainbike-Fotostorys für Zeitschriften wie Mountain Biking UK. Das war der Beginn einer 25-jährigen Zusammenarbeit mit Zeitschriften.

Fahrradfahren ist etwas, was man als Kind macht. Es bedeutet Freiheit. Plötzlich kann man bestimmte Orte in kürzester Zeit erreichen und dass ohne einen Erwachsenen. Mein Bruder und ich bauten unsere 5-Gang-Rennräder in „Off-road“-Fahrräder um, indem wir geländegängige Reifen und wie Hörner gebogene Lenker anbrachten. Wir waren noch sehr jung zum Mountainbiken und dieses Rad ging sehr oft kaputt. Später, zwischen richtigen Jobs und Reisen, jobbte ich im Fahrradhandel, in Fahrradläden und bei Händlern in Bristol, UK. Danach ging ich dann für eine Wintersaison in die Alpen, um mich selbst als echter Snowboard-Fotograf zu „vermarkten“.

Wo ist dein Lieblingsort zum Mountainbiken?

Es ist schwer, sich auf einen Lieblingsort festzulegen. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle. Ich liebe es, an weniger bereiste Orte zu gehen, auch wenn das mehr Mühen und mentale sowie körperliche Herausforderungen mit sich bringt. Um in meinen Top 10 zu landen, muss ein Ort gute einspurige Trails, eine großartige Kulisse zum Fotografieren und ein paar kulturelle Erlebnisse bieten können.

Vor einigen Jahren haben wir eine 10-tägige Tour durch die Simien-Berge in Äthiopien unternommen und ich würde sagen, dass dieser Trip all diese Faktoren vereinte. Ansonsten eine 10-tägige Radtour in Eigenregie zur tibetischen Grenze über die nepalesische Region Upper Mustang im Jahr 2010 und ein 6-tägiger Trip durch Lesotho in Afrika in diesem Jahr.

Was war bis dato deine größte Errungenschaft?

Ich glaube, viele Leute würden auf all die Reiseziele und Expeditionen schauen, die ich fotografiert habe, und sagen „am Leben geblieben zu sein“. Ich liebe es, Bilder und redaktionelle Storys zu machen, die die allgemeine Auffassung von Orten und Menschen in Frage stellen. Ich fotografiere zur Berichterstattung auch gerne an Orten, von denen viele denken, dass sie unglaublich gefährlich sind. Das ist meine Art und Weise, Fremdenfeindlichkeit und Irrtümer zu hinterfragen. Die Leute, die wir an solchen kriegsgebeutelten Orten treffen, sind unglaublich freundlich und gastfreundlich.

Unser Afghanistan-Trip im Jahr 2013, bei dem wir 12 Tage durch den Wachankorridor fuhren, gegen Schneestürme und über 5000 m hohe Pässe ankämpften, war einer der schwierigsten bis dato. Es war wirklich hart und nicht unbedingt ein Trip, den ich gerne mit dem Rad wiederholen würde (auf einem Pferd wäre ich wohl besser dran), aber es war unglaublich lohnenswert.

Wenn du nicht gerade hinter der Kamera bist oder die Welt erforschst, wo kann man dich sonst finden?

Vermutlich trotzdem dort draußen mit meinem Rad auf irgendeinem Trail. Ich bin auch viel ohne Kamera mit dem Rad unterwegs. Das klingt vielleicht überraschend, aber einfach aus Spaß an der Freude Fahrrad zu fahren, ist für mich immer noch der beste Weg, um Stress abzubauen. Ich teile meine Zeit ein zwischen den UK, einem Zufluchtsort in den Alpen und Finale Ligure in Italien, wo ich mein Kajak habe.

Wer ist dein größtes Vorbild?

Ich glaube, viele verschiedene Leute haben meinen Lebensweg beeinflusst. Angefangen von dem Lehrer, der uns nach den Schulferien immer tolle Reisegeschichten erzählte, über meine Eltern, die mir diese erste Kamera schenkten, bis hin zu meinen Großeltern, die einige Zeit in Argentinien lebten.

Einige dieser Menschen übersieht man schnell, aber sie haben alle eine Rolle gespielt und mich dazu ermutigt, raus zu gehen und die weite Welt zu entdecken. Was die Fotografie angeht, habe ich mich von Fotografen wie Martin Parr und Amsel Adams inspirieren lassen. Sie kommen aus sehr unterschiedlichen Bereichen der Fotografie, aber sie helfen mir dabei, über den Tellerrand der Fotografie hinwegzusehen.

Du bist auf einer einsamen Insel. Du hast ein Buch, ein Album und einen Osprey Rucksack, was suchst du aus und warum?

Buch: Ich bin keine große Leseratte, daher würde ich für jedes Buch Ewigkeiten brauchen, um es durchzulesen. Ich erinnere mich daran, als ich 10 Tage in einem Schneesturm in Alaska festsaß und alle ihre Bücher herausholten. Die so entstandene Bibliothek bestand nur aus Sachliteratur über legendäre Arktisexpeditionen. Es waren die Art von Erzählungen, in denen die Leute ihre Schlittenhunde essen mussten, um zu überleben. Also vielleicht würde ich einen Überlebensleitfaden mitnehmen, so wie „Food for Free“, um nicht zu verhungern.

Album: Ich bin ein alter Punk, deshalb bleibe ich bei etwas Energiegeladenerem, um die nötige Motivation zum Kokosnusssammeln zu haben. Ich würde entweder „Requiem “oder „2003“ von Killing Joke oder „Sonic Mass“ von Amebix mitnehmen. Die Entscheidung ist nicht einfach!

Rucksack: Der Escapist 32 ist definitiv der Rucksack meiner Wahl. Er ist wirklich vielseitig, ob auf dem Rad oder nicht. Man kann ihn für einen langen Tag im Freien mit schwerer Ausrüstung bepacken und er bewahrt dennoch das Talent, sich leichter anzufühlen als er tatsächlich ist. Oder vielleicht würde ich den Kamber ABS nehmen und den Airbag als Rettungsfloß verwenden?

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